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Projekt „Rehabilitation und Sozialzentrum“
Das ohnehin schwere Leben dieser Menschen wird noch zusätzlich beeinträchtigt durch das gerade in den letzten Jahren epidemieartige Auftreten von körperlichen und geistigen Missbildungen unter den Kindern. Da in Familien beide Eltern und meist auch die Kinder zum Unterhalt beitragen müssen, stellt ein behindertes Kind eine schwere Belastung für die ganze Familie dar. Für die behinderten Kinder bedeutet das, dass sie weitgehend ohne irgendeine Förderung in den Familien dahinvegetieren. Die 1990 aus Holz, Bambus und Palmenstroh errichtete Hütte, in der etwa 12 Kinder tagsüber die notwendigste Versorgung erhalten konnten, erwies sich allerdings sehr bald als viel zu klein. Das Gelände, ein Stück unerschlossener Mangrovenwald, hatte die Distriktverwaltung zur Verfügung gestellt. Mit dem Besuch von Claus Ruff, im Juli 1996, ergibt sich eine entscheidende Wende für die Betreuung und Behandlung dioxingeschädigter und körperlich und geistig behinderter Kinder. Mit umfangreicher finanzieller Hilfe der Stiftung sind aus der ursprünglichen Holzhütte das Rehabilitation- und Sozialzentrum in Can Thanh und An Doi Dong mit vielseitigen Aktivitäten entstanden. Behindertenschulen, Dormitorien, Ausbildung- und Lehrwerkstätten wurden gebaut und ein Dormitorium, in dem auch alte Menschen betreut und versorgt werden, die als Folge des Krieges ohne Angehörige zurückgeblieben sind. Etwa 120 Kinder und Jugendliche besuchen tagsüber die Behindertenschulen zu einer nach Alter und Behinderungsgrad differenzierten schulischen Ausbildung und Physiotherapie. Dazu kommen schwerstbehinderte Kinder, die rund um die Uhr betreut werden müssen. Zur differenzierten Rehabilitation wie orthopädischen Operationen, Versorgung mit Hörhilfen etc. werden die Kinder vorübergehend in entsprechende Einrichtungen nach Saigon gebracht. Das Zentrum versucht unter allen Umständen den Kindern die familiäre Geborgenheit zu erhalten und das „Abschieben“ in die Einrichtung soweit wie möglich zu verhindern. Die Tageskinder werden daher morgens mit einem dreirädrigen Lambro-Transporter bei ihren Familien eingesammelt, zum Teil aus recht unzugänglichem Mangrovengebiet und abends wieder zu ihren Familien zurückgebracht. Um möglichst viele Kinder in dem schwer zugänglichen Mangrovengebiet zu erreichen, hat die Stiftung einen Mobilen Sozialen Dienst eingerichtet, der auch entlegene Gebiete erreicht, die teilweise nur auf schmalen Dammwegen oder per Boot zugänglich sind. Physiotherapeuten und Sozialarbeiterinnen besuchen regelmäßig die Familien mit behinderten Kindern, geben Beratung über die richtige Ernährung, Behandlung von Erkrankungen, Anpassung von Krücken, und andere Hilfen und informieren über mögliche operative Korrekturen. Das Vertrauen, das sich die Mitarbeiter des Mobilen Sozialen Dienstes inzwischen erworben haben, hat es auch ermöglicht, stark behinderte Kinder aufzuspüren, die bisher aus Angst vor sozialer Ächtung der Familie verborgen gehalten wurden. Ein „ Agent Orange Kind“ in der Familie mindert nämlich wegen der erbgutschädigenden Wirkung des Gifts auch die Heiratschancen der nicht behinderten Geschwister. Neben der erstmaligen Erfassung aller behinderten Kinder des Distrikts hat der Mobile Service vor allem auch zu einem verstärkten Problembewusstsein bei Bevölkerung und lokalen Behörden geführt. Das Rehabilitation und Sozialzentrum umfasst aber noch eine Reihe anderer Aktivitäten. So wurde ein spartanisch möbliertes Dormitorium für etwa 70 nicht behinderte Kinder und Jugendliche aus den entlegenen Mangrovengebieten errichtet. In den kleineren Dörfern und Einzelgehöften des Mangrovensumpfes gibt es keine Schulen. Während der Woche besuchen sie eine Schule in Can Thanh, sind im Dormitorium des Zentrums untergebracht und kehren am Wochenende zu ihren Familien zurück. Auf der Suche nach einer dem jeweiligen Behinderungsgrad angemessenen Beschäftigung nach Abschluss der schulischen Ausbildung hat man im Zentrum verschiedene Möglichkeiten geschaffen. Geistig behinderte Jugendliche können einfache manuelle Tätigkeiten erlernen. Mit den dabei erworbenen manuellen Fertigkeiten können sie sich auch im familiären Umfeld nützlich machen. Dagegen galt es für die körperlich behinderten Kinder eine berufliche Ausbildung zu ermöglichen, die ihren geistigen Fähigkeiten gerecht wird, aber Rücksicht auf ihre körperliche Behinderung nimmt.Die Überlegungen führten sehr schnell zu der Entscheidung eine kleine Berufschule aufzubauen, in der Behinderte gemeinsam mit nicht behinderten Jugendlichen einen Beruf erlernen können.
Das Rehabilitation- und Sozialzentrum Can Thanh und An Doi Dong mit seinen vielfältigen Projektkomponenten ist heute finanziell weitgehend unabhängig. |
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